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Zur Kunst:

Wahrnehmung pur

Immer ausschließlicher macht Barbara Schulte-Zurhausen in den letzten Jahren die Farbe zu ihrem Thema. Ihre neuesten Arbeiten beschreiten weiter konsequent diesen Weg. Mit Hilfe von Pigmenten, die sie durch Eigelb und Leinöl zur sogenannten "Eitempera" bindet, und die ihr ermöglichen, in lasierendem, halbtransparentem Auftrag mehrere Farbschichten dermaßen übereinander zu legen, daß die jeweils unteren mit den darüberliegenden ein durchscheinend-homogenes Farbspiel eingehen, kann sie eine immens breite Palette von Tönen einer einzigen Farbe erzeugen. Konsequente, aber auch intuitiv gesteuerte Serien von Farbuntersuchungen auf Kunststofftafeln, betreffend das Zusammenwirken oder die Polarität verschiedener Farben und Farbtöne sowie sicher auch deren Wirkung auf das Betrachter-Empfinden dokumentiert der eine Teil dieser Ausstellung, während die größerformatigen Leinwände in kaum strukturierten, einfarbigen Tafelbildern die ausschließliche, intensive Auseinandersetzung mit Farbe, Licht und Raum zeigen.
Dabei deuten weder Titel auf irgendwelche sprachlichen oder gegenständlichen Assoziationen hin, noch lenken bildhaft erzählerische Elemente ab von dem eigentlichen Ziel, nämlich unseren Blick zu sensibilisieren für die Wahrnehmung von Farbe.
Und wenn es auch unvermeidlich ist, daß erlebte Impressionen, Erinnerung, Gesehenes, aber auch das Wissen über die psychologischen Bedeutungs-hintergründe bestimmter Farben der Ausgangspunkt und die Grundlage für Schulte-Zurhausens Malerei sein müssen, dann ist die Leistung um so größer, sich im Malen von all diesem Background so weit zu lösen, daß nichts davon mehr reproduziert wird, sondern im "meditativen Schwebezustand" autonomer, absoluter Farbmalerei die Bilder entstehen, denen erst die Ausstellung die Möglichkeit gibt, sich in der Beziehung zum Betrachter, im Spiegel seiner Empfindungen, zu vollenden.

Horst Hambücker (aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung im Atelierhaus 11/2000)

Vita:

1955 geboren in Gladbeck/Westfalen
1974-79 Studium Kunst / Kunstwissenschaft / Philosophie /
Mathematik an der RWTH Aachen
seit 1988 verstärkte Auseinandersetzung mit Malerei
1996 - 2000 Studium bei Prof. R. Thiele, Hochschule für Künste Bremen

Werke im öffentlichen Besitz
Deutscher Bundestag, Berlin